Neuerliche Schlachten im dichten (Staub)nebel
Analog zu Walldorf sah es am Wochenende in Marisfeld nicht anders aus. Sieben Wochen ohne Regen ließen auch hier eher das Gefühl eines Wüstenrennens aufkommen, wie schon drei Wochen zuvor beim Walldorfer GCC-Rennen. Zwar versuchte man mittels Bewässerung auf dem Crossteils der Strecke dem Staub zumindest etwas Herr zu werden, was aber für den restlichen Teil der Strecke natürlich keinerlei Bewandtnis aufwies.

Bei den als erstes startenden XC Super Seniors zeigte wieder einmal mehr Konrad Schneider vom Husaberg Cross Country Team, dass er nicht umsonst als der Blitzstarter schlechthin bezeichnet wird.
Auch in Marisfeld war er der Pilot, der als Erster um den großen Strohballen am Ende der kurzen Startgerade bog.
Es dauerte jedoch nicht lange, bis Jörg Albrecht vom MSC Schefflenz auf seiner 250er Zweitakt-Husaberg als Führender aus der vorhergehenden Runde zurück kam und die Zählstelle passierte. Von da an hatte er das Zepter dieser Klasse fest in der Hand und ließ keinerlei Zweifel mehr aufkommen, wer in dieser Klasse das Maß der Dinge darstellte, während Schneider Platz zwei vor dem Butzbacher Jörg Steenbock vom Husaberg Racing Team nach Hause fuhr.
Dem sonst ebenfalls immer ganz vorne mitfahrenden Uli Körber war in Marisfeld das Glück nicht zur Seite gestanden. Schon in der ersten Runde musste er in der steinigen Waldpassage im unteren Teil der Strecke einen kapitalen Abflug hinnehmen, als er im dichten Staub einen Felsbrocken nicht rechtzeitig erkennen konnte. Bis er sich leicht lädiert wieder auf dem Motorrad befand, war ein Großteil des Feldes an ihm vorüber gezogen. Beim nachfolgenden Kampf zurück an die Spitze und unzähligen Überholmanövern touchierte Uli erneut im dichten Staub mit einem Kontrahenten und musste noch einmal vom Motorrad. Zu allem Elend sorgte der erste Sturz noch für den Ausfall des Trinksystems und so musste Körber die komplette Distanz ohne Flüssigkeitszufuhr auskommen. Dass er dadurch dennoch am Ende den siebten Platz einfuhr, zeigt einmal mehr die fahrerische Klasse Uli Körbers.

Bei den im gleichen Feld startenden XC Beginners war dieses Mal der für das Team Fuchs Power Bikes startende Christian Müller das Maß der Dinge, auch wenn den Start erst einmal der im MSC Schefflenz fahrende Gregor Schropp für sich entscheiden konnte. Schon kurz nach dem Start setzte sich Müller an die Front des Feldes und gab diese Position bis ins Ziel nicht wieder ab. Nico Reif vom Team RS-Racing im MSV Fambach legte von Runde zu Runde etwas mehr Kohlen nach und konnte sich damit im Verlauf des Rennens von der fünften Position bis auf Platz zwei vorarbeiten, auf welchem er schlussendlich auch die Zielflagge sah. Den Kampf um Position drei konnte am Ende Erik Löffel vor einem in der Schlussphase stark aufkommenden Juho Kirssi (Körber Offroad Racing / MSC Schefflenz) zu seinen Gunsten entscheiden.

Im zweiten Rennen des Tages standen die Klassen XC Women und XC Beginners zu ihrem Stelldichein an den Startlinien der Marisfelder Strecke.
Bei den jungen Damen wurde nicht lange gefackelt. Davina Trost vom Team marXparts by MEFO Sport erwischte zwar auf Ihrer KTM den besten Start, aber schon unmittelbar dahinter die haushohe Favoritin Sally Böde vom Cross Team Böde. Nach Abschluss der ersten Runde war jedoch wie gewohnt Sally Böde an der Front des Feldes vorzufinden. Runde zwanzig Sekunden hatte Sie allein in dieser ersten Runde auf ihre Verfolgerinnen herausgefahren. Der Rest des Rennens war für die schnelle Ruttersdorferin dann auch lediglich noch Routine, auch wenn sie später zu Protokoll gab, dass es wirklich kein Spaß auf der Strecke, noch dazu mit den permanent durch den Staub eingeschränkten Sichtverhältnissen, war.
Mit rund 3 ½ Minuten Rückstand erreichte Jennifer Lang vom Team MX-Heaven vor Tanja Fischer (Team MXtreme Husqvarna) mit Rang zwei im Feld der Damenklasse das bereits längst ersehnte Ziel.
Unter den XC Beginners herrschten sozusagen ebenfalls von Anfang an geklärte Verhältnisse. Kein anderer wie Michael Bichler vom Motorsportclub Augsburg bestimmte auf seiner Husaberg, wie auch schon in Walldorf das Geschehen an der Front der XC Beginners. Dabei fiel der junge freundliche Bayer dem erfahrenen Betrachter nicht in erster Linie durch spektakuläre Fahrweise ins Auge, sondern eher durch eine ruhige, aber dennoch extrem schnelle Fahrweise auf. Bis auf eine Runde vor Schluss tat Dominik Diemb vom Team Parthen analog zu Michael Bichler das gleiche auf Platz zwei, bevor er kurz vor Schluss auf dem zweiten Platz liegend die Segel im Rennen der XC Beginners streichen musste. Er wurde am Schluss zwar noch als 18ter gewertet, aber eine Genugtuung konnte dieses Ergebnis für den jungen, sympathischen Suhler nach diesem Rennen sicher nicht sein. Diesen Umstand nutzte jedoch Daniel Ostermann, um Platz zwei vor Patrick Steiner (ZAP Racing Team Jakobi – MC Isolator) nach Hause zu fahren. Mit nur vier Sekunden Rückstand hätte sich dieser an der Stelle sicher noch ein paar zu fahrende Runden gewünscht, um eventuell Ostermann noch Platz zwei streitig machen zu können.

Das letzte GCC-Rennen des Tages bestritten die XC Juniors und die Klasse XC Sport C. Schon von Anfang an stand dieses Rennen ganz im Zeichen des Schefflenzers Jan Froede. Am Start war zwar zunächst Lucas Schelling vom MSC Frickenhausen vorne, aber Jan nutzte den hohen Anlieger in der ersten Kurve schon gleich dazu aus, um am Rest des Feldes vorbei zu fliegen. Im weiteren Verlauf fiel er dann zwar erst einmal wieder etwas zurück, eroberte sich dann aber nach dem obligatorischen Boxenstopp erneut die Führung zurück und gab diese bis ins Ziel nicht wieder ab. Mit runden 20 Sekunden überquerte er nach 16 gefahrenen Runden dann auch wie vorherzusehen, als Erster die Ziellinie des Marisfelder MX-Tracks. Der Freudentaumel seines Teams danach war folglich unübersehbar. Auf Position zwei folgte Lucas Reichstein, der wiederum Tim Apolle vom Team Hornik auf der Husaberg um knapp zwei Minuten im Ziel distanzieren konnte. Paul Gehrlicher vom Team THE PAUL / MC Neustadt musste seine 85er KTM nach neun gefahrenen Runden mit einem festgegangenen Motor abseits der Strecke abstellen. Pech für den erst 13jährigen sympathischen jungen Neustädter.
Im Rennen der Klasse Sport C sah zunächst alles wieder nach einem Sieg von Frank Neubert im Team Endurosport Limbach SA.ev aus. Führte er doch wie in Walldorf die ersten zehn Runden das Feld dieser Klasse an, ehe er sich plötzlich nur noch auf Position fünf des Klassements wiederfand. Frank Hahn vom Team ***md tricks&skills*** im Enduroclub Weissenburg machte sich dies umgehend zunutze, passierte im selben Atemzug auch noch Tobias Häfner vom Team Bieberbach und übernahm damit die Führung nach elf absolvierten Runden. Allerdings machte auch er die Rechnung ohne den Görzker Andreas Ziehm (Greiner Racing Team / MX Divison Parchen), der zu diesem Zeitpunkt noch mit 30 Sekunden Rückstand auf Platz drei lag. Dieser machte dann aber in den verbleibenden Runden noch einmal richtig Dampf im Kessel seiner KTM und überquerte schlussendlich mit 27 Sekunden Vorsprung vor Frank Hahn und Tobias Häfner als Erster die Ziellinie.

Als ganz besonderer Event stand am späten Abend noch ein Pilotlauf der SSV´s auf dem Programm. Bei schon einbrechender Dämmerung begaben sich rund zehn dieser sehenswerten Geräte auf die staubige Strecke. Lange Zeit hatte Thoralf Diemb vom Can Am Team Parthen die Sache klar im Griff, ehe er in den letzten Runden aufgrund eines technischen Defekts doch noch seinen Chef Andreas Parthen vom gleichnamigen Team ziehen lassen musste. Zweiter wurde Arndt Geyer auf seiner roten Polaris, mit der der am Schluss Andreas Parthen noch mächtig auf den Pelz rückte. Dies war damit auch eines der wenigen Fahrzeuge in diesem Rennen, das nicht das Markenemblem der Can Am Schmiede auf der Motorhaube trugen. Der dritte Platz gebührte schließlich Thomas Vorisek vom Autolive offroad Team im Quad Racing Team Voit, ebenfalls auf einer Can Am.

Detaillierte Ergebnisse wie immer in der Rubrik „Ergebnisse 2011“ unter www.xcc-racing.com
Geschrieben von: Rudolf Schuler